Gespräch mit Karl-Heinz Schneider, ZVDH

Konjunkturausblick der Branche 2016

"Ich bin optimistisch, dass unsere Branche für das Jahr 2016 gut aufgestellt ist", sagt einer, der es wissen muss: Karl-Heinz Schneider ist Präsident des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Was er vom neuen Jahr erwartet und welche Trends er kommen sieht, hat er uns verraten.

Wie ist Ihre Einschätzung, wie wird sich die Branche im Jahr 2016 entwickeln?
Wir sind im vergangenen Jahr gut zu Gange gewesen. Dies wurde auch durch den recht milden Winter bedingt. Ich erwarte eine ähnliche Entwicklung für 2016. Die letzten fünf Quartale waren wir zwar leicht im Minus, aber ich bin optimistisch, dass wir im Jahr 2016 1,5 bis 1,7 % an Umsatz zulegen werden. Natürlich wissen wir, dass der beste Umsatz nichts bringt, wenn der Ertrag nicht stimmt. Aber unsere Unternehmen signalisieren uns, dass wir zuversichtlich sein können.

Wie hat sich Ihr Berufsbild in den letzten Jahren verändert?
Wir machen mittlerweile nicht nur Dächer, sondern passen uns den Marktbedürfnissen an. Dachdecker sind auch zu "Climaworkern" geworden. Unser Beruf hat sich in den letzten Jahren sehr geändert. Heute sind wir Berater und wissen, dass unser Kunde die Alles-aus-einer-Hand-Lösung schätzt. Für uns bedeutet das, dass wir mit vielen Partnern am Bau zusammenarbeiten. Die Dämmung oder die Anschlüsse sauber und richtig auszuführen, braucht viel Zeit. Die Vorbereitungen sind das, was die meiste Zeit in Anspruch nimmt. Viele unserer heutigen Tätigkeiten sind Dinge, an die wir vor 20 Jahren noch nicht gedacht haben. Zum Beispiel Photovoltaik- und Solaranlagen zur Stromgewinnung und Warmwasserbereitung. Nicht jeder Betrieb folgte von Anfang an diesem Trend, jedoch gibt es auch einige Kollegen, die sich darauf spezialisiert haben. Viele Kooperationen sind dabei aus den unterschiedlichen Anforderungen heraus entstanden. Mittlerweile gibt es auch Betriebe, die Spezialisten, wie z. B. Elektriker, gleich ganz einstellen.

Welche Trends erwarten Sie?
Der Trend zum breitgefächerten Berufsbild des Dachdeckers wird weiter anhalten und sich verstärken. Gerade wenn man sich den boomenden Sanierungsmarkt anschaut, erwarte ich hier noch so einiges. Wir sind ja der Allrounder rund um die Gebäudehülle und sind in ihr zuhause. Das spielen wir auch aus. Daher schulen wir unsere Leute auch zielführend. Denn Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen in diesem Segment sind ganz entscheidend. Auch für unsere Ausbildung bedeutet das Veränderungen: Wir werden unsere Gesellenprüfung Mitte 2016 ändern, breiter aufstellen und so einen Schritt nach vorne machen. Wir wollen uns moderner und innovativer präsentieren: Der alte Spruch 'Das kannst Du halten wie ein Dachdecker', der ausdrückt, dass man von unten ja nichts sieht, ist nicht mehr gültig.

Durch Drohnen oder Quadrocopter kann man wunderbare und vor allem hochauflösende Fotos erstellen, das Dach vermessen oder Bestandsgebäude aus der Luft erfassen. Das zeigen wir auch auf der Fachmesse DACH+HOLZ International im Februar in Stuttgart auf unserem Stand. Das Thema Building Information Modeling (kurz: BIM, deutsch: Gebäudedatenmodellierung) wird uns ebenfalls begleiten, hier muss vor allem das Handwerk aufpassen, dass wir bei der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt nicht den Anschluss verpassen. Daher ist ein wichtiges Ziel, hier aufzuklären, Vorteile aufzuzeigen und auch die Angst davor zu nehmen.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die derzeitigen und künftigen Herausforderungen des Handwerks?
Es ist ganz entscheidend, neue Trends mitzunehmen und sich hier nicht zu verweigern. Nur so lassen sich mehr Umsätze und damit auch Erträge erwirtschaften. Schwierig ist, dass es für Sanierungsmaßnahmen kaum steuerliche Anreize gibt. Das ist für uns ein wichtiger Aspekt, den wir auch zu den Wahlen wieder vorbringen werden. Die Rente mit 63 ist bei körperlich anspruchsvollen Berufen sicherlich richtig. Wir haben so einen Beruf; allerdings wäre mir ein flexibles Modell sehr viel lieber, denn jeder weiß selbst am besten, ob sein Körper noch mitmacht oder nicht. Für uns bedeutet das natürlich, dass wir unsere Mitarbeiter entsprechend schulen müssen, ihnen in Gesundheitsseminaren zeigen, wie sie möglichst lange im Beruf verbleiben können – gesund und schmerzfrei. Zum Thema Gesundheit gehört aber auch eine ‚menschengerechte‘ Verpackung: Produkte, die zu sperrig oder in zu großen Stückzahlen verpackt, und damit zu schwer sind, machen uns das Arbeiten auf dem Dach nicht leichter.

Wie kann die Industrie unterstützen?
Die Industrie entwickelt ständig Innovationen und Erleichterungen und verbessert bei Produkten die Verarbeitung. Da kann man ruhig mal Roto als Beispiel nehmen: Die hohe Vorfertigung erlaubt kurze Montagezeiten, das kommt uns natürlich entgegen. Das Thema ‚Aus dem Karton in das Dach‘ erleichtert das Arbeiten sehr. Es gibt aber natürlich auch andere Beispiele: Bei Ziegelpaketen kommt es darauf an, dass sie nicht in zu großer Stückzahl zusammengefasst sind und sich ihre Verpackung einfach auseinandertrennen lässt. Der Austausch zwischen Industrie und Verarbeitern ist uns sehr wichtig. Daher ist auch eine Messe wie die DACH+HOLZ so bedeutend, um die Produkte auch haptisch zu begreifen. Mir persönlich ist eine solide Partnerschaft wichtig, die wir zum Beispiel beim Thema Messe oder bei neuen Fachregeln pflegen. Denn wir wollen alle mitnehmen. Daher haben wir auch Industrie und Verarbeiter unter der gemeinsamen ‚Aktion DACH‘ integriert und kümmern uns hier um die Nachwuchsförderung. Daraus resultiert auch die Teilnahme an der Weltmeisterschaft für Nachwuchsdachdecker, die im kommenden Oktober in Warschau stattfinden wird. So eine Teilnahme kostet Geld. Hier werden wir von der Industrie großartig unterstützt. Ohne sie könnten wir solche Events nicht machen. Auch Roto hat jüngst die Teampartnerschaft für unsere Nationalmannschaft übernommen.

Sie möchten mehr über den Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks erfahren? Dann besuchen Sie hier die Website.